Eine für alle: Barrierefreie Websites

Beginnen wir mit einer Annahme: Du möchtest ein Produkt verkaufen. Du hast bereits ein Geschäftslokal und die Regale sind randvoll mit deinen Waren. Du hast Werbungen geschalten, gratis Produktproben und Flyer in der Stadt verteilt, deine Zielgruppe platzt fast vor Neugierde und jetzt kommt dein großer Moment: Du öffnest deine Ladentüren, es wartet schon eine lange Schlange von Menschen auf dein Produkt und dann…passiert nichts!

Das klingt erst einmal unrealistisch, aber es gibt Gründe warum die Kund:innen den Laden nicht betreten: Zunächst einmal sind die Designer-Stufen ins Geschäft hinein anderthalb Meter hoch. Das ist selbst für Hobby-Sportler:innen eine ordentliche Herausforderung. Diejenigen, die es dennoch in den Laden schaffen, wundern sich, warum er nicht beleuchtet ist. Sie können deine Produkte nicht sehen. Die wenigen Verbliebenen, die ein Produkt erblicken können, würden gerne die Inhaltsstoffe oder den Preis des Produktes herausfinden, aber die Schrift ist derart klein gedruckt, dass auch die letzten Personen mit einem Seufzen und ohne Produkt in den Händen den Laden verlassen.

Niemand hat die Absicht eine Barriere zu errichten

Bei all diesen Hindernissen handelt es sich um Barrieren und die Absicht, solche Barrieren zu errichten hat doch keine:r von uns, oder? Aber gerade im Internet fallen uns diese nicht so stark auf wie eine fehlende Beleuchtung oder unüberwindbare Stufen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Barrierefreiheit (im Englischen: accessibility) im Web zwar schon seit den Kindertagen des Internets mitgedacht, aber nur selten mitgelebt wird.

Manchmal muss es eben schnell gehen

Wie es dazu kommt? Ganz einfach: Websites werden oft unter Zeit- und Kostendruck erstellt. Und leider ist es nach wie vor so, dass für bestimmte Themenbereiche wie Datenschutz, Sicherheit oder eben Barrierefreiheit nur wenig oder keine Ressourcen aufgewendet werden. Denn wer eine neue Website braucht, denkt zunächst an:

  • Auffällige Videos, die mit vielen Schnitten sofort die Aufmerksamkeit der User:innen auf sich ziehen

  • Möglichst viele Bilder, aber wenig Text – denn wer liest heutzutage noch Texte?

  • Knallige Farbkombinationen, die aus der Masse herausstechen (siehe Redesign vom Lieferdienst mjam 2021)

Quelle: mjam

Aber die Kehrseite davon sieht alles andere als bunt und freudig aus:

  • Auffällige Videos, die ohne Aufforderung abgespielt werden, können im schlimmsten Fall epileptische Anfälle auslösen

  • Von all den schönen Bildern haben sehbehinderte Personen nichts, wenn diese nicht zusätzlich mit Beschreibungen versehen werden

  • Knallige Farbkombinationen sind ebenso eine Hürde für sehbehinderte Menschen, da ein bestimmter Kontrast notwendig ist, um Schrift von Hintergrund unterscheiden zu können und Farbschwächen ebenso mitbedacht werden müssen

Barrierefreiheit ist ein gleichermaßen optisches wie technisches Thema

Oft erfüllen die im Trend liegenden, minimalistisch-reduzierten Websites – ohne bewusst etwas dafür zu tun – bereits viele Regeln der Barrierefreiheit. Je aufwendiger, opulenter und effektheischender die Aufmachung einer Seite ist, umso wahrscheinlicher sind auch die Barrieren, die damit errichtet werden. Das Neon-Gelb-Grün-Blau-Experiment von mjam (siehe oben) hielt beispielsweise nicht länger als einen Monat, mittlerweile gibt sich der Lieferdienst wieder reduzierter. Das war zwar aller Voraussicht nach keine Entscheidung für mehr Barrierefreiheit, aber indirekt sorgt das reduzierte Design für bessere Accessibility.

Jedem Prozess seinen Anfang

Genauso wie die Umsetzung der DSGVO ein jahrelanger Prozess war, sollte auch die Barrierefreiheit als Prozess gedacht und behandelt werden. Wieder am Beispiel Website: Bei der Erstellung der SCHLAWEANA Website haben wir auf die Einhaltung der WCAG-Richtlinien geachtet. Gleichzeitig gab es zwischen dem ersten Entwurf und der finalen Version so viele Anpassungen und Neuerungen, dass wir hier nun Aufholbedarf haben. Aber wir bekennen uns dazu, lernen dazu und haben das Thema auf dem Schirm – damit möglichst viele Leute unsere Website auf ihren Schirmen genießen können.

Welche Gründe gibt es, sich jetzt sofort dem Thema zu widmen?

  • Suchmaschinen lieben barrierefreie Seiten: Die mit Bildbeschreibungen (sogenannten ALT-Tags) versehenen Bild- und Videoinhalte werden von Google ausgewertet. Dies ist eine zusätzliche Möglichkeit, Content zu platzieren

  • Noch ein Grund warum Barrierefreiheit und SEO Geschwister sind: Deine Abbruchquote wird deutlich zurückgehen, da barrierefreie Seiten im Allgemeinen benutzer:innenfreundlicher sind, was wiederum von Google & Co. mit höheren Rankings belohnt wird.

  • Du inkludierst Zielgruppen, die sonst von vielen Webinhalten ausgeschlossen sind. Damit setzt du ein gesellschaftspolitisches Zeichen und erweiterst gleichzeitig die Anzahl der Menschen, die du ansprechen kannst. Laut Statistik Austria (2015) leben 18,4 Prozent der österreichischen Bevölkerung mit einer Behinderung, das sind 1,3 Millionen Menschen, die dann vielleicht lieber deine Website als eine andere nutzen.
  • Wenn du die Zugänglichkeit deiner Website durch Zertifikate oder Blogartikel aktiv kommunizierst, hast du die perfekte Grundlage, um dein positives Brand Image zu stärken.

Das ist doch was, oder? Also nimm deine Zielgruppe auch auf den letzten Metern bei der Hand, damit sie nicht aus Versehen zur Konkurrenz stolpert. Falls du dabei noch Hilfe brauchst, stehen wir dir gerne zur Seite.

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