Work Life Balance: Probier’s mal mit Gmiadlichkeit

Alle reden davon, aber nur die wenigsten erreichen sie: die sagenumwobene Ausgewogenheit von Arbeit und Freizeit. Aber was bedeutet Work Life Balance eigentlich, warum ist dieser Ausgleich so wichtig und wie kann man ihn finden?

Work Life Balance – klingende Worte, mit denen in Zeiten wie diesen oft leichtfertig um sich geworfen wird. Denn: Im gesamtgesellschaftlichen Kontext mutet es anmaßend an, sich aus der privilegierten Hipster-Bubble heraus darüber zu beschweren, die Balance zwischen Job, Freizeit und Selbstverwirklichung nicht zu meistern. Jammern auf hohem Niveau, wenn man  kurz die Perspektive wechselt und sich z.B. in die Situation einer alleinerziehenden Mutter von sechs Kindern versetzt. 

Trotzdem – es wichtig und längst überfällig, dass sich unsere Vorstellung von Arbeit wandelt, dass viele junge Menschen nicht mehr nur für die Pension hakln, sondern sich im Hier und Jetzt ein schönes Leben bauen wollen. Die Corona-Pandemie hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig es ist, gut auf sich selbst sowie das eigene körperliche und psychisches Wohlbefinden zu achten. Jetzt, nicht später.

Mentale Gesundheit: Stress macht krank

Der psychischen Gesundheit wird – auch „dank” der Coronakrise – immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Auch die Rolle der Arbeit wird im Zuge dessen genauer beleuchtet. Zu Recht: Laut Berichten der Krankenkassen zeigt sich seit den 90ern ein rasanter Anstieg der Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen. Seit 2011 sind die Folgen psychischer Belastungen auf Platz 1, wenn es um den Verlust der Erwerbsfähigkeit geht. Das viel diskutierte Burnout-Syndrom ist längst zur Volkskrankheit geworden.

Jung, motiviert und chronisch überbelastet

Gleichzeitig wird gearbeitet wie nie. Familiengründung wird nach hinten verschoben, die Karriere hat Vorrang. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen dabei zunehmend. Wer es an die Spitze schaffen will, muss eben „auch mal wochenends hakln”. Besonders, wenn man sein:e eigene:r Chef:in sein und sich seine Zeit selbst einteilen will. Die Zahlen sprechen für sich: Studien aus Deutschland zeigen, dass etwa jede:r vierte bis fünfte Arzt/Ärztin ins Burnout rutscht – ähnliche Zahlen findet man bei Manager:innen und anderen Führungskräften.

Burnout als Volkskrankheit

Der amerikanische Soziologe Richard Sennet bezeichnet den Effekt der dramatischen Veränderungen in der Arbeitswelt seit Beginn des 21. Jahrhunderts als das Paradox des neuen Kapitalismus: Wer erfolgreich sein will, muss immer und zu einhundert Prozent „flexibel und wandlungsfähig” sein. Das Ziel junger, aufgeklärter Menschen: Eine individuelle Einteilung der Arbeitszeit und mehr Me Time. Die Realität: Arbeiten bis spät Nachts und pausenlose Erreichbarkeit. Den Laptop, Blümel-Style, sogar beim Spazierengehen dabei. Das Problem: Wer jederzeit arbeiten könnte, ist jederzeit versucht, dies auch zu tun.

Chill like Bill: Der emotionalen Erschöpfung entgegenwirken
Geht es um die Prävention von Überlastung durch’s Hakln, halten wir es ganz nach Bill Murray: Je entspannter man an die Dinge herangeht, desto besser läuft’s im Leben, in der Liebe, im Job. Das ist allerdings oft leichter gesagt als getan. Denn auch Entspannen verlangt Übung.

Quelle: GQ

Work Life Balance: Tipps von einer Expertin

Ob 40+ Stunden im Büro, fordernde soziale Interaktionen im Job, Teilzeitanstellung und Studium, Freelancen, das Managen einer Firma oder schwere körperliche Arbeit – bestimmte Regeln und Gewohnheiten können dabei helfen, die Grenzen zwischen Freizeit und Job etwas leichter zu ziehen. Wir haben gemeinsam mit der Psychologin und Expertin für Burnout-Prophylaxe, Dr. Karin Kaiser-Rottensteiner, einige Tipps zusammengefasst:

  • Klare Trennlinien ziehen und einhalten: Am Nachhauseweg bzw. am Weg in die Freizeit ist es besonders wichtig, die Arbeit bewusst am Arbeitsplatz zu lassen. Hier können vermeintlich kleine Rituale helfen, klare Grenzen zu ziehen.

  • Rituale in den Alltag integrieren: Kleider wechseln, Duschen, Musik aufdrehen, das Haus verlassen. Kleine Gewohnheiten, die unserem Gehirn suggerieren, dass nach der Arbeit ein neuer Tagesabschnitt beginnt, machen einen großen Unterschied.

  • Besonders im Homeoffice gilt: Zonen freihalten, die ausschließlich der Freizeit gehören. Heißt: Das Arbeitszeug nicht in der ganzen Wohnung verteilen, sondern am dafür vorgesehenen Platz lassen, den Laptop nicht mit ins Bett nehmen und keine Mails checken nach 18.00 Uhr!

  • Bewusste Offline-Zeiten antrainieren: Klar, für Digital Natives mit Smartphone als künstliche Armverlängerung leichter gesagt als getan, aber: Handy und Laptop immer wieder für ein fixes Zeitfenster wegzulegen, sorgt für Entspannung, regt die Kreativität an und schafft Raum für die Entwicklung neuer Gedankenmuster.

  • Soziale Kontakte pflegen: Hierbei ist es besonders wichtig, sich immer wieder zu überwinden, das gemütliche Sofa doch nochmal zu verlassen. Gute Gespräche (die nichts mit der Arbeit zu tun haben!) sind eine Wohltat für die Seele und helfen dabei, die Dinge immer wieder aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

  • Realistisches Zeitmanagement: Vorausschauendes Koordinieren beugt Arbeits- und Freizeitstress vor. Sich mehr Zeit für sich selbst einzuplanen (z.B. zwischen Terminen oder Feierabend und dem nächsten Treffen mit Freund:innen) und der psychischen Gesundheit zuliebe auch mal „Nein” zu sagen, schafft Verschnaufpausen und Zeitfenster für dringend notwendige Me Time. Selbst wenn es nur eine 15-minütige Kaffeepause in der Sonne ist.

  • Kleine Schritte: Bei der Burn-Out-Prävention gilt dieselbe Regel wie beim Umgang mit Depressionen: Man darf nicht davon ausgehen, alles sofort ändern zu können. Sich kleine Ziele zu setzen, Rituale Stück für Stück in den Alltag einzubauen und einen Schritt nach dem anderen zu machen, garantiert schnelle Erfolgserlebnisse und macht am Ende einen großen Unterschied.

…and again:
Bill knows best

SCHLAWEANA-Credo:Gemeinsam geht’s leichter!”

Damit die Work Life Balance funktioniert, muss umgekehrt auch die Life Work Balance ernstgenommen werden. Nicht nur der Job kann überwältigend sein, auch das Privatleben birgt einiges an Stresspotential. Deshalb halten wir uns an das Credo: Manchmal geht’s bled…und das ist okay.

Probleme im Privatleben oder solche Späßchen wie eine weltweite Pandemie: Das Leben hält allerlei Stolpersteine bereit. Da ist es hilfreich, wenn man sich gegenseitig unter die Arme greifen kann. Das macht ein gutes Team aus. Das ist das große Pro für gemeinsames Arbeiten ohne Hierarchien. Unter Freund:innen, mit offener Kommunikation und dem Konsens, dass mensch nicht immer „funktionieren” muss.

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